Martin Andersen Nexøs Haus

1880 hatte Martin Andersen Nexøs Vater von der Stadtverwaltung in Nexø ein Baugrundstück gekauft – im südlichen Teil der Stadt gelegen. Hier baute der Vater ein Haus für die Familie, die 1882 einzog. Obwohl Martin Andersen Nexø lediglich drei Jahre im Haus wohnte – von 1882 bis 1884 – wurde das Haus in der Ferskesøstræde 36 zu seinem Elternhaus.

Das Haus wurde 1993 denkmalgeschützt, und seit Sommer 1990 ist es Gedenkstätte für den Schriftsteller. Die Gedenkstätte umfasst eine Sammlung von Porträtgemälden und Fotografien aus dem Leben und Werk des Schriftstellers. Darüber hinaus werden Fotos aus Verfilmungen, persönliche Gegenstände mit einer Verknüpfung zu Martin Andersen Nexø sowie Möbel aus der Zeit von 1880 bis 1900 gezeigt.

Die Sammlung umfasst mehrere hundert Fotokopien der handschriftlichen Briefe, Erzählungen und Artikel des Schriftstellers, dazu eine große Auswahl von Büchern des Schriftstellers, die in 44 Sprachen übersetzt und in mehr als 10 Millionen Exemplaren verkauft wurden. Eine Büste von Martin Andersen Nexø – ausgeführt von Harald Isenstein – wurde vor dem Haus aufgestellt.
Vater kehrte eine ganz neue Seite hervor, er begann, sich für unsere Sorgen zu interessieren, und er kümmerte sich um uns. Er schreinerte uns einen Rodelschlitten und kaufte ein Paar alte Jungenstiefel beim Trödler und reparierte sie, damit Georg und ich uns beim Schlittschuhlaufen abwechseln konnten. Somit war es recht gut, dass das Eis ihn nicht mit sich riss, als es in einer Nacht einbrach.

Einmal zog er los und sah geheimnisvoll aus; es war erkennbar, dass er eine freudige Überraschung für uns in der Hinterhand hatte. Und an einem Abend, als wir beim Essen saßen, schmiss er ein Papier für Mutter auf den Tisch; das war ein Dokument; er hatte draußen bei Færskesjø ein Grundstück von der Stadt gekauft. Ah, dann sollten wir also unser eigenes Haus haben, genau wie andere ansässige Leute! „Darüber hättest du ruhig reden können“, sagte Mutter vorwurfsvoll. Aber Vater hatte nicht die Angewohnheit, andere um Rat zu bitten.

Als der Frost aus dem Boden gewichen war, begann Vater, den Boden auszuheben; Georg und ich halfen mit, und nie zuvor waren mir mit mehr Lust bei der Arbeit gewesen, wir lachten und alberten. Vater war auch glücklich; er lachte nicht, aber das lag an seinem Eifer. Er drückte sich oft vor seiner Arbeit im Steinwerk, um auf dem Grundstück arbeiten zu können, und jeder Feiertag wurde ausgenutzt; er glich es an den Tagen, die er im Werk war, durch Arbeit bei Beleuchtung aus. Es wurden lange Tage für ihn, und als er zu Bett ging, konnte ich seine Glieder knacken hören, so steif war er. Wir brachen am Strand Steine für die Grundmauern und für den Zaun rund um das Eigentum. Solide sollte es werden, und Vater grub bis hinunter auf den Fels, damit das Haus auf festem Grund stehen konnte. Als Mutter mit Kaffee zu uns heraus kam, strahlte sie über das ganze Gesicht und sah Vater verliebt an. „Das wird wirklich gründlich, wie alles, was Hans Jørgen Andersen anpackt“, sagte sie. Wenn sie richtig stolz auf Vater war, nannte sie ihn stets bei vollem Namen.

Martin Andersen Nexøs Erinnerungen aus „Under åben himmel“ („Unter freiem Himmel“). Auszug aus Kap. XI.


 
Hauseigentümer im Laufe der Zeit:
1882–1902: Hans Jørgen Andersen, Steinhauer, Pflasterer
1902–1921: Andreas Julius Møller, Partikulier
1921–1939: Laurits Mathias Kofoed, Arbeiter
1939–1947: Kristine Westh
1947–1990: Anker Vilhelm Hansen, Lagerarbeiter, Arbeiter
Seit 1990: Fonds für das Martin-Andersen-Nexø-Haus

Der Verein Martin Andersen Nexøs Mindestuer mietet seit 1990 die Gebäude vom Fonds für das Martin-Andersen-Nexø-Haus.

 


Die Gedenktafel, die die Stadtverwaltung von Nexø 1967 am Sandsteinzaun am Elternhaus von Martin Andersen Nexø anbringen ließ. Die Tafel ist in Nexø-Sandstein aus Frederiks Steinbruch ausgeführt.